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Das Thema Unternehmensübergabe im industriellen Mittelstand steht in fast jedem zweiten Unternehmen in der Region an. Daher war das erfolgreiche Beispiel einer Übergabe das Thema beim regionalen Unternehmergespräch im wvib, das in der KLS Martin World in Tuttlingen stattfand.

Karl Leibinger, Geschäftsführer der KLS Martin Gruppe hatte die Übergabe an seinen Sohn Christian Leibinger frühzeitig geplant und konsequent umgesetzt. Mit 65 Jahren hat er sich aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen.

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Christian und Karl Leibinger berichteten an diesem Abend sehr offen von dem gesamten Prozess und von ihren Erfahrungen.

Der Prozess wurde intensiv von Pamela Leisle von der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft LFK LEISLE GmbH begleitet, die den Teilnehmern die rechtlichen Hintergründe erläuterte und ebenfalls ihre Erfahrungen aus ihrer Beratungstätigkeit einbrachte.

Zunächst stellte der heutige geschäftsführende Gesellschafter Christian Leibinger die KLS Martin Gruppe vor.

Das wvib-Mitglied KLS Martin ist eines der erfolgreichen und zugleich eines der größten Industrieunternehmen in der Region Tuttlingen. Von klassischen Instrumenten kommend, entwickelt, produziert und vertreibt die KLS Martin Gruppe heute auch OP-Leuchten, OP-Laser und elektrochirurgische Systeme.

Die neueste Entwicklung sind patientenindividuelle Implantate, die im 3D-Druck aus Titan oder biokompatiblen Kunststoffen hergestellt werden. Unter dem Motto „Chirurgische Innovationen sind unsere Leidenschaft“ arbeiten weltweit über 1200 Mitarbeiter für die Gruppe.

Alle Produkte finden in OP-Räumen Anwendung und KLS Martin stattet bei Projekten auch komplette OP-Räume individuell aus. Produktionsstätten gibt es in Deutschland, USA und Malaysia. Die USA sind nach wie vor wichtigster Medizintechnikmarkt der Welt, wohin daher auch die Hälfte aller KLS Martin Produkte gehen.

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Pamela Leisle berichtete von dem Prozess der Unternehmensübergabe, die sie von ersten Überlegungen bis zur letzten notariellen Beurkundung begleitete. Karl Leibinger hatte das Unternehmen mit 110 Mitarbeitern 1974 mit 24 Jahren als Geschäftsführer übernommen, nachdem sein Vater bei einem Autounfall in Mexiko ums Leben gekommen war.

Mit 60 hatte er einen Plan, wie die Übergabe erfolgen sollte, mit 65 sollte sie abgeschlossen sein. Innerhalb von fünf Jahren wollte er alle Verantwortlichkeiten sukzessive an seinen Sohn übergeben. Karl Leibinger sagte, dass dies nur gelingen konnte, da er volles Vertrauen in seinen Sohn hatte.

Er gab bei dem Unternehmergespräch zu, dass es am Anfang manchmal weh tat, wenn nun sein Sohn und nicht mehr er an allem beteiligt war. Aber bald war er stolz, dass sein Sohn Christian bei Mitarbeitern und Geschäftspartnern die gleiche Akzeptanz fand wie er und heute das Unternehmen auch zu seiner Zufriedenheit steuert.

Karl Leibinger berichtete, dass einer der Schlüssel das gemeinsame Golfspiel war, bei dem sie – trotz beruflich engem Terminplan – viel gemeinsame Zeit verbrachten. Golf war außerdem ein guter Einstieg bei den amerikanischen Mitarbeitern und Geschäftspartnern, als Christian Leibinger ein Jahr im Vertrieb in den USA das Medizintechnikgeschäft von der Pike auf lernte. Zuvor hatte er – nachdem für ihn früh klar war, dass er einmal in das eigene Unternehmen einsteigen wird – Betriebswirtschaft studiert und in einer Unternehmensberatung gearbeitet.

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Er empfahl den Nachfolgern auf jeden Fall nach der Ausbildung erst einmal in einem anderen Unternehmen Erfahrungen zu sammeln, bevor sie ins eigene Unternehmen einsteigen. Karl Leibinger berichtete, dass er mit 65 Jahren alle Gesellschafteranteile an seinen Sohn und seine Tochter übergeben hat, auch dies gehört zum Vertrauen in die Nachfolge. Er selbst bezieht heute eine „Rente“, nach der juristischen „Übergabe gegen Versorgungsleistung“. Wichtig ist den Geschäftsführern heute noch, dass die zu Mitarbeitern und Kunden mit einer Stimme sprechen, gleichgültig was vorher intern diskutiert wurde.

Pamela Leisle berichtete, dass nach sieben Jahren alle Verträge unterschrieben waren. Da auch amerikanische Gesellschaften übergeben werden musste, arbeitete sie mit einer internationalen Anwaltskanzlei zusammen. Um sich beim Finanzamt abzusichern, empfahl sie dringend dort eine „Verbindliche Auskunft“ über die steuerrechtlichen Auswirkungen einzuholen, sobald der Plan zur Übergabe steht. Diese Auskunft ist zwar gebührenpflichtig, doch muss sich die Finanzbehörde daran halten, sofern der Plan entsprechend umgesetzt wird.

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Karl Leibinger arbeitet heute noch von Dienstag bis Donnerstag als Angestellter für die KLS Martin Gruppe und kümmert sich vor allem um verschiedene Bauvorhaben. Eigentlich sollte die sehr gelungene KLS Martin World in Tuttlingen sein Abschlusswerk sein, doch warten ein ähnliches neues Schulungszentrum in den USA und eine Produktionserweiterung im Werk Mühlheim noch auf ihn.

Abschließend führten Christian Leibinger, der Geschäftsführer und Leiter Marketing Michael Martin und die Leiterin der KLS Martin World Melanie Deuter die Teilnehmer durch das neue Besucherzentrum. Dort sind alle Instrumente, Implantate und Medizinischen Geräte zu sehen. In den Schulungsräumen trainiert KLS Martin jedes Jahr mehrere tausend Kunden, Ärzte und OP-Mitarbeiter, in neuester Technologie.

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Wie immer beim wvib Unternehmergespräch nutzten die Geschäftsführer am Ende bei einem Imbiss die Gelegenheit, sich noch besser kennen zu lernen und sich über für sie wichtige Themen auszutauschen.

 

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